Retter auf zwei Rädern starten in den Dienst

Am Pfingstwochenende sind die ehrenamtlichen BRK-Motorradstreifen erstmals auf der Autobahn im Einsatz
Unser Bild zeigt (von links) Manfred Lexmaul,
Jens Pischeli, Kurt A. Wildmoser, die Spenderin Dörte Mäder, verdeckt Martina Frank, Helmut Frank, Robert Meyer, den stellvertretenden Geschäftsführer des BRK Traunstein,
Thorsten Brandstätter, und Frank Bechmann.

Während die einen am Wochenende nach Kroatien oder Italien in die Pfingstferien starten, leisten andere ehrenamtlich Dienst in der Motorradstreife des Kreisverbands Traunstein des Bayerischen Roten Kreuzes. Erstmals werden sie ab dem kommenden Wochenende auf der Autobahn unterwegs sein, um Urlaubern und Lkw-Fahrern im Stau zu helfen, die zum Beispiel in einen Unfall verwickelt wurden.
Anders als die Kollegen im Sanka kommen die Retter mit dem Motorrad oft schneller an den Einsatzort, auch wenn havarierte Fahrzeugwracks die Autobahn blockieren oder die Rettungsgasse mal wieder nicht klappt. Nicht zuletzt deshalb sind sie meist die Ersten am Unfallort und müssen daher neben einer fundierten medizinischen Ausbildung auch Leitungskompetenzen haben, um möglichst schnell alles Wesentliche zu koordinieren. Selbstverständlich ist auch fahrerisches Können unbedingt notwendig: Sie müssen auch die mit der Ausrüstung sehr schweren Maschinen in jeder Situation gut beherrschen. 
Mit acht Ehrenamtlichen und drei Maschinen startet also die neue BRK-Motorradstaffel am Wochenende ihren Dienst. Die neueste Maschine – wie die anderen beiden auch gebraucht – erhielten sie gerade von Dörte Mäder aus Augsburg. 
Sie stiftete letztes Jahr der Motorradstaffel Augsburg Land zwei neue Motorräder: »Ich habe damit einen Wunsch meines im Januar 2025 verstorbenen engen Freundes, Dr. Johannes Zahn, erfüllt. Ihm war das sehr wichtig«, sagt sie selbst dazu. 
Im September kam sie während eines Aufenthalts an ihrem Zweitwohnsitz Ruhpolding auf der Truna am Stand des BRK-Kreisverbands Traunstein mit Robert Meyer ins Gespräch. Dort erfuhr sie, dass sich auch in Traunstein eine Motorradstaffel neu gegründet hatte, und stellte fest, dass die Traunsteiner nicht annähernd so gut ausgestattet sind mit Motorrädern wie die Augsburger. 
Kurzerhand vermittelte sie, dass die Traunsteiner Staffel eine der in Augsburg ausgemusterten Maschinen erhalten: »Ich habe die
Augsburger Motorradstaffel überzeugt, ihre Traunsteiner Kollegen mit der gebrauchten, sehr gut erhaltenen BMW R 1200 RT zu unterstützen. Das wollte ich unbedingt, das war mir äußerst wichtig.« Daneben sind auch noch eine weitere BMW 1200 RT und eine BMW 650 GS im Einsatz – Letztere ist geländetauglich und ermöglicht auch Einsätze abseits befestigter Straßen, beispielsweise bei Personensuchen oder in schwer zugänglichem Gelände. 
Und so holten acht Ehrenamtliche die Maschine im Wert von geschätzt 6000 bis 7000 Euro in Augsburg ab – im Rahmen einer Feier, bei der die Motorräder den kirchlichen Segen erhielten. Mit dabei war auch Thorsten Brandstätter, der stellvertretende Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Traunstein: »Dörte Mäder hat sich sehr für uns eingesetzt und deswegen wollte ich mich unbedingt persönlich bei ihr bedanken und mit den Augsburger BRK-Kollegen die Übergabe feiern«. 
Die Existenz der Motorradstaffel hängt ab von finanzieller Unterstützung – »ohne Spenden können wir sie nicht betreiben«, sagt Brandstätter. »Dabei kommen die Motorräder bei einem Unfall auf der Autobahn, im Stau oder auch im Katastrophenfall viel besser und schneller zu den Menschen durch als die vierrädrigen Einsatzwagen. Sie sind oft die Ersten vor Ort, die helfen können.« 
Auch Helmut Frank, Kreisbereitschaftsleiter und Leiter der Motorradstaffel, ist sehr dankbar für die neue Maschine: »Mit diesem Motorrad können wir die Menschen im Notfall noch besser und schneller versorgen. Wichtig zu wissen ist, dass alle unsere Retter ihre Freizeit für den Dienst in der Motorradstaffel einbringen. Jeder unserer Fahrer ist ausschließlich ehrenamtlich und unentgeltlich unterwegs. Alle tun das aus voller Überzeugung und mit viel Engagement.« Die Motorradstaffel wird in den Ferien jedes Wochenende im Streifendienst auf der A8 zwischen Neukirchen und Bernau zum Einsatz kommen – für alle Menschen, die dort Hilfe und Unterstützung brauchen. 
Im Fachdienst Motorrad der BRK-Bereitschaften mit 16 Standorten leisten nach Angaben des BRK bayernweit etwa 100 Sanitäter, Rettungssanitäter und Rettungsassistenten vorwiegend in der Hauptreisezeit auf Autobahnen und Schnellstraßen Hilfe. Im Spagat zwischen dem Dienst am Nächsten, Familie und Beruf werden dabei jährlich rund 10 000 Einsätze zusammen mit Rettungsdienst, Feuerwehr, THW und Polizei abgewickelt. Im Schnitt werden pro Jahr über 150 000 Kilometer im Streifendienst zurückgelegt. 
Zu den Aufgaben gehören neben der Betreuung im Verkehr (Getränke und Spielzeug für Kinder verteilen) auch die psychosoziale Unterstützung, Unterstützung der Einsatzleitung durch schnelle Lagemeldungen, Verkehrslenkung in Absprache mit der Polizei, Wegweisungen für Reisende und Zeigen von Alternativrouten, eiliger Medikamenten- und Blutkonserventransport, aber auch Sanitätswachdienst zum Beispiel bei Fahrradrennen, Katastrophenschutz als Melder und Erste-Hilfe-Kurse für Motorradfahrer. 

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