Auf ein Leben mit riesigem sozialem Engagement im Bayerischen Roten Kreuz (BRK) blicken die Eheleute Feil aus Altenmarkt zurück. Zusammen sind sie 128 Jahre ehrenamtliche Mitglieder bei der Hilfsorganisation. Die Motivation zu helfen kam immer aus dem Herzen, sagen sie übereinstimmend. Wenn Menschen in Not waren, waren die beiden im Trostberger Bereich und darüber hinaus zur Stelle.
Katharina Feil kommt auf 72 Jahre ehrenamtlichen Dienst beim BRK; mit 19 Jahren begann sie als Helferin in der Frauenbereitschaft Haag, im damaligen Landkreis Wasserburg. Da kam sie in Zeiten des Kalten Kriegs gleich mit einer Großübung, dem gestellten Absturz eines Flugzeugs, in Berührung und musste realitätsnah geschminkte Verletzte versorgen und betreuen. Später einmal hatten die beiden den Auftrag bei einer Gemeinschaftsübung selbst vier bis fünf Mimen für Verletzungen zu schminken, erzählt sie: „dann waren es aber 28 – aber hingebracht haben wir es.“ Adolf Feil, 56 Jahre ehrenamtlich beim BRK, kam 1970 nach einem Erste-Hilfe-Kurs in die Reihen des Roten Kreuzes.
Bei den Erste-Hilfe-Kursen, die damals mit 60 und mehr Teilnehmern, an acht Abenden, hauptsächlich in Gasthäusern, stattfanden, war Käthi, wie sie von allen liebevoll genannt wird, für das Registrieren der Teilnehmer und die Ausstellung der Bescheinigungen beschäftigt. Und, zusammen mit ihrem Mann, gestaltete sie bei den Abschlussabenden die täuschend echten Verletzungsmuster.
Einen Schwesternhelferinnenkurs, Unterweisung in häuslicher Krankenpflege, ABC-Lehrgänge, und Betreuungsdienstunterweisungen absolvierte Katharina Feil, und zusammen mit ihrem Mann, der zudem die Rettungssanitäter-Ausbildung erfolgreich absolviert hatte, Funktechnikeinführung und Führungslehrgänge. ABC-Kurse beschäftigen sich mit Hilfsmaßnahmen bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen. So waren sie für ihre vielfältigen Hilfsaufgaben beim Roten Kreuz bestens gerüstet.
Sie hatten in diesen frühen Zeiten des Rettungswesens sieben bis acht ehrenamtliche Sanka-Fahrer, die jedes Wochenende auf der Rettungswache für Einsätze zur Verfügung standen. Unter der Woche, wenn die beiden hauptamtlichen Sanitäter da waren, sprang Käthi Feil immer wieder schnell ein, wenn es Not am Mann war. Dann musste die Schwiegermutter schnell das Lebensmittelgeschäft, das die Feils mittlerweile betrieben, vorübergehend führen.
Neben den vielen „normalen“ Sanitätsdiensten bei Sportveranstaltungen und Festen, dem Glückshafen, beim Blutspenden und den Haussammlungen waren sie 1980 beim Besuch von Papst Johannes Paul II in Altötting aktiv. „Wir haben ihn auf drei Metern Entfernung gesehen,“ sagt Katharina Feil mit einem Leuchten in ihren Augen. Für andere intensive Einsätze waren sie stets an vorderster Stelle, wie beim Trostberger Erst-Lager für DDR-Bürger nach der Grenzöffnung und bei Autobahndiensten. Etliche Jahre lang befand sich an der Autobahnausfahrt Piding an den Wochenenden eine mobile Hilfsstation. Das war abwechselnd ein Iglu-Zelt, ein Mannschaftszelt, ein Wohnwagen oder eine Bauhütte. Zur damaligen Zeit war das eine wichtigen Anlaufstelle für Reisende, die sich in Notlagen befanden. Die beiden erinnern sich, dass vor allem Schmerztabletten gefordert waren und dass nach einem Regentag der Iglu, der ohne Boden war, bis zu den Knöcheln unter Wasser stand. Besondere Herausforderungen waren für die Rotkreuzler die sanitätsdienstliche Begleitung der Gemeinschaftsausflüge mit der Bahn unter dem Motto „Eine Stadt geht auf Reisen“ nach Lindau, Rothenburg ob der Tauber oder zum Nürnberger Christkindlmarkt. Auf einem solchen Sonderzug waren sie für 960 Reisende die einzigen beiden Sanitätsbetreuer.
Käthi Feil hatte Organisationstalent, Geduld und ein herzliches Auftreten. Das zeichnete sie aus, so dass sie über 15 Jahre Leiterin der Trostberger Frauenbereitschaft sein durfte. In dieser Zeit verwirklichte sie neue Formen der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, wie der Freiwilligen Feuerwehr und der Polizei. „Wir ziehen alle am selben Strang und helfen gemeinsam zusammen,“ überzeugte sie die Hilfsorganisationen zu regelmäßigen Zusammenkünften zum Austausch und zur Verbesserung der Zusammenarbeit. So fand auf ihre Anregung in den späten 70er Jahren eine gemeinsame Übung von BRK, Feuerwehr und Polizei statt. Die Übung wurde so geheim vorbereitet, dass selbst ihr Mann nichts davon mitbekam. „Die Übung war das Ergebnis von schlaflosen Nächten,“ sagt sie. Und sie fügt hinzu, dass sich, aufgrund des großen Erfolges, überraschenderweise gleich eine andere BRK-Einheit bei ihr gemeldet hatte, die Näheres zur Vorbereitung und Organisation wissen wollte. Damals waren kleinere Gruppierungen, sogenannte Züge, einer Kolonne und Frauenbereitschaft untergliedert. Im Trostberger Bereich waren es Kienberg, Engelsberg und Palling/Freutsmoos. Die Eheleute hatten die „Außengruppen“ regelmäßig besucht und hielten engen Kontakt mit ihnen. Interne Ausbildungsabende fanden in Trostberg zweimal im Monat statt, in den Zügen einmal monatlich.
Adi, wie er innerhalb der Rot-Kreuz-Familie genannt wird, unterstützte seine Frau und übte die Ehrenämter als Kolonnenführer, stellvertretender Kolonnenführer und Gruppenführer aus. In diesen Jahren gab es im Trostberger Bereich kaum einen Erste-Hilfe-Kurs, bei dem die Eheleute nicht mithalfen, Verletzungen zu schminken oder sich anderweitig einbrachten. So viel Engagement blieb den oberen BRK-Etagen nicht verborgen weshalb die beiden Fleißigen etliche Ehrungen und Auszeichnungen erfuhren: beide tragen mit Stolz die Silberne BRK-Ehrennadel und Käthi auch die Goldene. Sie war zudem die erste Frau, die von der Trostberger Feuerwehr eine offizielle Auszeichnung erhielt. Auch Adi kam in den Genuss dieser Feuerwehrehrung. „Früher war es eine Ehre beim Roten Kreuz sein zu dürfen“ erinnert sich die engagierte Altenmarkterin, und sie hat den Eindruck, dass heute andere Motivationen im Vordergrund seien.
Leider berichten die beiden Rotkreuzler auch von belastenden Situationen. „Schlimm war es immer, wenn Kinder bei den Verletzten dabei waren. Das war immer emotional und problematisch“, sagt Adolf Feil, und: „das sind Sachen, die man nicht vergisst – man hört die Stimmen …“ Einmal wurde Käthi Feil in einem Bierzelt regelrecht bedroht, als sie einem mutmaßlich Verletztem helfen wollte – nur das beherzte Eingreifen eines Bekannten rettete sie aus der Situation. Ein andermal wurde nachts ein Suizidgefährdeter in einem Waldstück gesucht. Die Helferin, damals im klassischen Streifenkleid des Roten Kreuzes mit Häubchen, traf in der Dunkelheit auf ihn, konnte ihn langsam beruhigen und schließlich, nach einer Stunde guten Zuredens, am Arm zurückführen – nur ein Beispiel für ihre große Empathie. Unter anderm auch durch diese segensreiche Fähigkeit wurde ihr von den Kollegen, Ärzten, der Polizei und der Feuerwehr, Respekt, Anerkennung und großes Vertrauen entgegengebracht.
Mit zunehmendem Alter zogen sie die BRK-Dienste im „Glückshafen“, bei der Haussammlung, dem Blutspenden, dem Zusammenstellen von Weihnachtspäckchen und der Betreuung behinderter Menschen auf der jährlich stattfindenden Schifffahrt auf dem Chiemsee den oft anstrengenden Sanitätsdiensten vor. Bis die Corona Pandemie die Einstellung von Kontakten stark reduzierte waren die beiden Urgesteine des Roten Kreuzes aktiv. Insgesamt sagen die beiden, hatten sie viele schöne Erlebnisse in ihren ehrenamtlichen Aktivitäten. Das Schönste war immer, sagen sie, wenn sie die, von ihnen betreuten und transportierten Personen, wieder gesund getroffen hatten.
--------------------------------------------
Seit der Wiedergründung des Bayerischen Roten Kreuzes nach dem zweiten Weltkrieg waren die aktiven Männer und Frauen in der Hilfsorganisation organisatorisch getrennt. 1993 wurden im Zuge einer Änderung der BRK-Satzung aus Frauenbereitschaften und Kolonnen gemeinsame Rot-Kreuz-Bereitschaften. Heute engagieren sich mehr als 200.000 Ehrenamtliche im gesamten BRK. Seit November 2025 ist der Trostberger Hans-Michael Weisky BRK-Präsident.
Autor: Kurt Stemmer


